Buchhaltung mit KI: Worauf solltest du bei der Auswahl achten?

Mehr KI-Funktionen machen noch keine gute Buchhaltung. Diese Kriterien und eine Checkliste mit sechs Fragen helfen dir bei der Entscheidung. Der Abschluss unserer Reihe „KI in der Buchhaltung“.

André Lönne

Co-Founder von Fisklmate

KI

Schreibtisch mit einem geschrieben Checkliste

Fast jede Buchhaltungssoftware wirbt inzwischen mit KI. Die Versprechen klingen ähnlich: weniger Handarbeit, schnellere Abschlüsse, weniger Fehler. Laut einem Capterra-Report automatisiert KI bei acht von zehn befragten Softwareanbietern schon mehr als die Hälfte der Aufgaben, die früher Handarbeit waren.

Leichter wird die Auswahl dadurch nicht. Laut Bitkom tun sich 63 Prozent der Unternehmen ohne KI schwer, die Kosten zu kalkulieren. In diesem Artikel erfährst du, worauf du bei Buchhaltungssoftware mit KI achten solltest, welche Modelle es gibt und welche Fragen du jedem Anbieter stellen solltest, bevor du dich festlegst.

Kurz gesagt: Achte weniger auf die Zahl der KI-Funktionen und mehr darauf, ob die Software GoBD und E-Rechnung erfüllt, deine Daten schützt, zu deinem Steuerberater passt und unsichere Fälle zur Prüfung vorlegt.


Welche KI-Tools eignen sich für die Buchhaltung in deutschen Unternehmen?

Für deutsche Unternehmen gibt es nicht das eine beste KI-Tool. Geeignet ist Buchhaltungssoftware, die deutsche Anforderungen erfüllt: GoBD, E-Rechnung im Format XRechnung oder ZUGFeRD, DSGVO und eine Schnittstelle zu deinem Steuerberater. Ob ein Tool zu dir passt, entscheiden vor allem deine Gewinnermittlung, die Menge deiner Belege und die Frage, wer die Vorschläge der KI kontrolliert.

Wenn du eine KI-Suche nach Empfehlungen fragst, bekommst du meist eine Liste bekannter Programme. Bevor du Produktnamen vergleichst, lohnt sich ein Blick auf diese Grundvoraussetzungen:

  • Deutsche Steuerlogik: Die Software kennt Kontenrahmen wie SKR 03 oder SKR 04, setzt Umsatzsteuerschlüssel korrekt und unterstützt die Übermittlung über ELSTER oder die Übergabe an deine Steuerkanzlei.

  • Passend zur Gewinnermittlung: Bilanz und E-Bilanz für Kapitalgesellschaften, Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) für viele Selbstständige — mehr dazu in den häufigen Fragen unten.

  • Anschluss an deinen Steuerberater: Die Software exportiert in dem Format, mit dem deine Steuerkanzlei arbeitet, häufig DATEV, oder gibt ihr direkten Zugriff.

  • Klare Prüfung: Es ist geregelt, wer die Vorschläge der KI kontrolliert — du selbst, deine Steuerkanzlei oder ein Dienstleister.


Wie prüfst du die KI-Funktionen einer Buchhaltungssoftware?

Prüfe nicht nur, ob eine Software KI hat, sondern wie sie damit umgeht. Gute Lösungen nehmen dir wiederkehrende Routine ab, machen jeden Vorschlag bis zum Beleg nachvollziehbar, lernen aus deinen Korrekturen und legen unsichere Fälle zur Prüfung vor, statt sie einfach durchzubuchen.

Am besten testest du das in der Probephase mit echten Belegen:

  • Testbeleg: Lade ein Foto, ein PDF und eine E-Rechnung hoch. Werden alle drei vollständig ausgelesen?

  • Korrektur: Ändere einen Buchungsvorschlag. Übernimmt die Software das beim nächsten gleichartigen Beleg?

  • Bankabgleich: Siehst du, warum eine Zahlung einer bestimmten Rechnung zugeordnet wurde?

  • Warnhinweis: Reiche eine Rechnung bewusst doppelt ein. Schlägt die Software Alarm?

Genauso wichtig ist die Frage, was mit den schwierigen Fällen passiert. Selbst die Anbieter im Capterra-Report lassen komplexe Aufgaben wie Abstimmungen über mehrere Gesellschaften weiterhin von Fachleuten prüfen.


Woran erkennst du GoBD-konforme Buchhaltungssoftware?

Ein amtliches GoBD-Zertifikat für Software gibt es nicht. Die Finanzverwaltung stellt solche Bescheinigungen nicht aus — dass deine Buchführung ordnungsgemäß ist, musst du selbst sicherstellen. Achte deshalb auf lückenlose Protokollierung, unveränderbare Buchungen, einen Datenexport für die Betriebsprüfung und Unterstützung bei der Verfahrensdokumentation.

Grundlage sind die GoBD, die das Bundesfinanzministerium zuletzt im Juli 2025 angepasst hat. Manche Anbieter werben zusätzlich mit einem Testat nach IDW PS 880. Das ist ein gutes Zeichen, aber kein Freibrief: Ein solches Prüfurteil bezieht sich auf die Software und setzt voraus, dass du sie richtig anwendest (Einordnung bei dhpg).

Das Testat bestätigt die Software, nicht deinen Umgang damit. Wer haftet, wenn die KI falsch bucht, und wie ein Freigabeprozess aussieht, der den GoBD gerecht wird, erklären wir in Wer haftet, wenn die KI falsch bucht? GoBD, AI Act und die Rolle der Experten.


Kann die Software E-Rechnungen empfangen und ausstellen?

Ja, das muss sie: Empfangen muss jedes Unternehmen im inländischen B2B-Geschäft E-Rechnungen schon heute, ausstellen je nach Vorjahresumsatz ab 2027, spätestens ab 2028. Für die Auswahl zählt deshalb, ob die Software XRechnung und ZUGFeRD erzeugen, auslesen und revisionssicher archivieren kann.

Frag bei der Auswahl konkret nach, ob die erzeugten Rechnungen der europäischen Norm EN 16931 entsprechen. Eine PDF-Vorlage mit Logo reicht dafür nicht. Frag außerdem, ob eingehende E-Rechnungen direkt aus den XML-Daten verbucht werden oder ob die Software sie wie ein PDF noch einmal ausliest.

Welche Umsatzgrenze welche Frist auslöst und welche Ausnahmen gelten, steht in diesem Artikel der Reihe: Ist deine Buchhaltung E-Rechnung-ready? Was die E-Rechnungspflicht 2027 für wachsende Unternehmen bedeutet.


Wie sicher sind deine Buchhaltungsdaten, und wer hat Zugriff?

In deiner Buchhaltung steckt fast alles über dein Unternehmen: Umsätze, Margen, Kunden und Gehälter. Das Risiko minimierst du, wenn du vor der Entscheidung prüfst, wo der Anbieter sie speichert und verarbeitet, ob er einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach DSGVO anbietet und wie Zugriffe von Beschäftigten, Steuerberater und KI-Assistenten begrenzt werden.

Diese Fragen helfen dir weiter:

  • Speicherort: In welchem Land stehen die Server, und welche Unterauftragnehmer sind beteiligt?

  • Rollen und Rechte: Kannst du genau festlegen, wer was sehen und ändern darf?

  • KI-Verarbeitung: Welche KI-Modelle verarbeiten deine Belege, und werden deine Daten zum Training genutzt?

  • Schnittstellen: Wie werden externe Tools und KI-Assistenten angebunden, und kannst du Berechtigungen gezielt vergeben und wieder entziehen?

Die Bundessteuerberaterkammer rät dem eigenen Berufsstand, keine Mandantendaten in öffentlich zugängliche KI-Tools einzugeben. Das ist auch für dein Unternehmen ein guter Maßstab.

Wie ein kontrollierter Zugang für KI-Assistenten auf Buchhaltungsdaten aussehen kann, zeigt Fiskl MCP: Der offizielle KI-Zugang für eure Buchhaltung. Welche Berechtigungen es dabei gibt und was ein verbundener Assistent grundsätzlich nicht darf, erklärt MCP-Server und Datenschutz: Was Nutzer und Nutzerinnen wissen müssen.


Brauchst du neben der Software noch einen Steuerberater?

Das hängt davon ab, wie viel du selbst übernehmen willst. Es gibt drei typische Modelle: Mit reiner Software buchst du selbst. Bei Software plus Steuerberater bereitest du vor, und die Steuerkanzlei übernimmt Abschluss und Steuern. Bei alles aus einer Hand kommen Software, laufende Buchhaltung und Prüfung von einem Anbieter. Welches Modell passt, hängt von Zeit, Wissen und Wachstum ab.


Reine Software

Software plus Steuerberater

Alles aus einer Hand

Wer bucht laufend?

du selbst, mit KI-Unterstützung

du selbst oder die Steuerkanzlei

KI, geprüft von Experten und Expertinnen

Wer prüft?

du selbst

die Steuerkanzlei, im vereinbarten Rhythmus

Experten und Expertinnen, laufend

Wer gibt Umsatzsteuervoranmeldung und Jahresabschluss frei?

du selbst

dein Steuerberater

du oder dein Steuerberater

Dein Zeitaufwand

hoch

mittel

gering

Worauf du bei der Software achtest

Steuerlogik und Kontierungshilfe

Export oder Direktzugriff im Format deiner Steuerkanzlei

laufende Prüfung durch Experten und Expertinnen

Keines der Modelle ist grundsätzlich besser. Reine Software lohnt sich, wenn du Zeit und Fachwissen mitbringst. Mit einer Steuerkanzlei an deiner Seite hast du fachliche Sicherheit. Kläre vor der Softwareauswahl, in welchem Rhythmus und Format sie deine Belege braucht — gerade bei GmbH und UG mit Jahresabschluss und E-Bilanz.

Je schneller dein Unternehmen wächst, desto wichtiger wird eine laufende Prüfung statt einer Kontrolle im Nachhinein. Wie das für junge Unternehmen aussieht, zeigt unsere Seite Finanzen aus einer Hand für Startups.


Welche Fragen solltest du einem Anbieter vor der Entscheidung stellen?

Ein einheitlicher Fragenkatalog macht Angebote vergleichbar, die auf den ersten Blick alle dasselbe versprechen. Die folgenden sechs Fragen decken das ab, was im Alltag und bei einer Betriebsprüfung zählt.

  • KI: Wer prüft die Fälle, bei denen die KI unsicher ist, und wie zeigt die Software, warum sie eine Buchung vorschlägt?

  • GoBD: Kannst du jede nachträgliche Änderung zurückverfolgen, und gibt es einen Datenexport für die Betriebsprüfung?

  • E-Rechnung: Erzeugt und liest die Software E-Rechnungen nach EN 16931, also XRechnung oder ZUGFeRD?

  • Datenschutz: Wo liegen deine Daten, und kannst du Rechte für Beschäftigte, Steuerberater und KI-Assistenten getrennt vergeben?

  • Zusammenarbeit: Wie bekommt dein Steuerberater Zugriff, und in welchem Format exportiert die Software?

  • Kosten: Welche Kosten entstehen neben der Lizenz, etwa für Einrichtung, Schulung oder Service?


Wie setzt Fisklmate die Auswahlkriterien um?

Fisklmate verbindet die Buchhaltungssoftware Fiskl, einen Digital MATE sowie Experten und Expertinnen und ein Steuerberater-Netzwerk. Das entspricht dem dritten Modell aus der Tabelle oben: Software, laufende Buchhaltung und Prüfung kommen von einem Anbieter. Umsatzsteuervoranmeldung und Jahresabschluss bereiten wir vor — die Freigabe liegt bei dir oder deinem Steuerberater.

So beantwortet Fisklmate die Fragen aus der Checkliste:

  • KI: Dein Digital MATE liest Belege aus, sobald sie eingehen, und schlägt Buchungen vor. Unsichere Fälle prüfen unsere Experten und Expertinnen laufend statt erst im Nachhinein.

  • E-Rechnung: Ausgangsrechnungen entstehen im ZUGFeRD-Format.

  • Datenschutz: KI-Assistenten verbindest du über einen offiziellen Zugang, bei dem du die Berechtigungen gezielt steuerst.

  • Zusammenarbeit: Arbeitest du schon mit einer Steuerkanzlei, bleibt sie an Bord. Hast du noch keine, wählst du eine aus unserem Steuerberater-Netzwerk.

Wie die laufende Buchführung im Detail abläuft, liest du auf unserer Seite Buchhaltung mit KI outsourcen. Was für deinen Abschluss vorbereitet wird, zeigt Jahresabschluss mit KI vorbereiten. Und welche Faktoren den Preis bestimmen, findest du auf unserer Preisseite.


Häufige Fragen zur Auswahl von Buchhaltungssoftware mit KI

Was unterscheidet KI-Software von klassischer Buchhaltungssoftware?

Klassische Buchhaltungssoftware arbeitet mit festen Regeln: Du erfasst Belege und wählst die Konten selbst. Software mit KI liest Belege aus, schlägt Konten und Steuerschlüssel vor und lernt aus deinen Korrekturen. Prüfen musst du die Vorschläge trotzdem — selbst oder mit Unterstützung von Fachleuten.

Welche Funktionen braucht Buchhaltungssoftware für GmbH und UG?

Für eine GmbH oder UG muss die Software doppelt buchen und daraus Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung erzeugen. Prüfe außerdem, ob sie die E-Bilanz übermittelt oder deine Daten im Format deiner Steuerkanzlei exportiert. Ein Programm, das nur Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellt, ist dafür zu klein.

Was passiert mit deinen Daten, wenn du die Software wechselst?

Sie müssen mit. Prüfe deshalb vor Vertragsabschluss, ob du Buchungen, Belege und Stammdaten vollständig und in einem gängigen Format exportieren kannst. Weil Unterlagen bis zu zehn Jahre aufbewahrt werden müssen, brauchst du auch danach Zugriff, etwa für eine Betriebsprüfung. Am einfachsten gelingt der Umstieg zu Beginn eines Geschäftsjahres.

Fazit: Welche Buchhaltungssoftware mit KI ist die richtige für dich?

Die richtige Buchhaltungssoftware mit KI erkennst du nicht an der Länge der Funktionsliste. Entscheidend sind nachvollziehbare Buchungen im Sinne der GoBD, eine E-Rechnungsfähigkeit nach EN 16931, ein klarer Umgang mit deinen Daten und ein Freigabeprozess, bei dem jemand die Vorschläge der KI prüft.

Mit der Checkliste vergleichst du Anbieter auf Augenhöhe. Und du entscheidest bewusst, ob du selbst buchst, mit deiner Steuerkanzlei arbeitest oder alles aus einer Hand bekommst.

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Die Reihe „KI in der Buchhaltung“ im Überblick: